Kerstin Schürmann ist die künstlerische Chefin des Naturtheaters und hat „Die kleine Hexe“ für Kinder inszeniert. Bild: Rudel, Nürtinger Zeitung
»Die Freizeitschauspielerin tut selbst viel dafür, dass sich die Jugend im Verein wohlfühlt.«

Seit ihrem elften Lebensjahr ist die 37-jährige Kerstin Schürmann beim Naturtheater im Aichtaler Stadtteil Grötzingen. Inzwischen ist sie dort Künstlerische Leiterin und prägt das Profil des Theaters.

AICHTAL-GRÖTZINGEN. Als Oberhexe stand Kerstin Schürmann im Alter von elf Jahren zum ersten Mal auf der Bühne des Naturtheaters Grötzingen. Otfried Preußlers Kinderbuch-Klassiker war damals ihre erste Produktion. In dieser Spielzeit führt die 37-Jährige nun selbst Regie in einer neuen Inszenierung. Ihre Hauptdarstellerin Samira Mainzer, die die Hauptrolle verkörpert, kennt die Regisseurin schon, „seit die ein Baby war“. Dass die Abiturientin nun das Zeug hat, einen so großen Part zu übernehmen, das macht die Theaterfrau stolz.

Mit 100 aktiven Ensemblemitgliedern und ebenso vielen Hilfskräften hinter den Kulissen ist das Naturtheater Grötzingen nach wie vor ein quirliger Verein. „Nachwuchssorgen haben wir nicht“, sagt Kerstin Schürmann. Die Freizeitschauspielerin tut selbst viel dafür, dass sich die Jugend im Verein wohlfühlt. „Bei uns hat es Tradition, dass der Nachwuchs drei Tage im Naturtheater übernachten darf“, schwärmt sie von dem Ferienprogramm, das sie selbst als Jugendliche genossen hat. Als Schauspielerin sammelte Kerstin Schürmann bei dem Amateurtheater auf dem Galgenberg in dem Aichtaler Stadtteil viel Erfahrung.

Gnadenloser Sheriff von Nottingham

Auf der Bühne zu stehen, das reizt sie auch heute noch. In der letzten Spielzeit begeisterte sie 10 000 Menschen im Publikum als gnadenloser Sheriff von Nottingham in der Legende vom wohltätigen Räuber Robin Hood. „Dass wir die Rolle der Amtsperson samt seinem Gefolge weiblich besetzt haben, liegt nicht nur daran, dass wir weniger Männer im Ensemble haben“, sagt sie lachend. Schürmann findet es wichtig, im Theater mit Klischees zu brechen. Der Sheriff war für die Theaterfrau mit der natürlichen Autorität eine Paraderolle.

Hat es die 37-Jährige denn gereizt, selbst professionelle Schauspielerin zu werden? „Das Kind muss auf die Bühne“, habe Maria Schreier einst ihren Eltern zugeraunt. Die inzwischen verstorbene Prinzipalin des Grötzinger Naturtheaters hatte das Talent der kleinen Kerstin früh entdeckt. Und obwohl Schürmann es liebt, vor Publikum zu spielen, lag ihr stets das soziale Engagement ebenso am Herzen. Bei einem Auslandsaufenthalt in Neuseeland hat sie einen autistischen Jugendlichen betreut. Theaterpädagogik war einer ihrer Schwerpunkte im Studium der Sonderpädagogik. Da habe sie auch mit Jugendlichen im Strafvollzug gearbeitet. „Diesen schwierigen jungen Menschen Perspektiven zu eröffnen“ hat die Theaterfrau gereizt. Deshalb hat sie sich entschieden, an der Nürtinger Hochschule für Wirtschaft und Umwelt den Abschluss in Theatertherapie zu machen. Der Studiengang sei einmalig in Deutschland, sagt Kerstin Schürmann, „und er ist wie für mich gemacht“. Mit ihrer Gabe, sich in andere Menschen hineinzudenken, hat die Künstlerische Leiterin des Naturtheaters die Amateure über die schwierige Zeit der Pandemie gebracht: „Die gemeinsame Arbeit hat uns gefehlt.“ Seit November proben die Kinder, Jugendlichen, Männer und Frauen für die zwei Produktionen der Saison.

In William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ steht sie in einer kleinen Rolle als Aegea auf der Bühne – das ist die Mutter einer der jungen Liebenden, der Hermia.

Besonders glücklich ist sie darüber, dass sie mit den jungen Spielerinnen und Spielern „Die kleine Hexe“ einstudieren durfte. Ein Herzensanliegen ist es Kerstin Schürmann, „dass sich die Spielerinnen und Spieler entwickeln dürfen“.

Mit dem Profi-Regisseur Jürgen Lingmann, der den „Sommernachtstraum“ in Szene setzte, habe das Ensemble eine spannende Reise gewagt. Diesen Weg möchte Schürmann auch in den kommenden Jahren weitergehen.

Bisher bereits mehr als 15 000 Besucher

Bereits jetzt haben mehr als 15 000 Gäste die beiden Aufführungen des Naturtheaters besucht. Die Spielzeit endet am 21. August. „Dann dürfen unsere Spielerinnen und Spieler auch mal Urlaub machen.“ Die Künstlerische Direktorin hofft, dass das Naturtheater in diesem Jahr wieder die Marke von 20 000 Besuchern schafft. 2021 gab es mit „Robin Hood“ nur eine Produktion. Dass die Amateurbühne die harten Corona-Auflagen gemeistert habe, lag nach Schürmanns Worten auch „an unseren großartigen Sponsoren und am engagierten Ehrenamt“.

Einer der verlässlichsten Helfer ist ihr Vater Dirk, der mit seinem Team an allen Vorstellungsabenden die Bewirtung stemmt. „Meine Tochter hat mich zum Naturtheater gebracht“, erinnert sich der Senior. Inzwischen wirken auch die Mutter und die beiden Schwestern hinter den Kulissen mit. „Theaterfamilien wie unsere gibt es viele“, sagt Kerstin Schürmann. Für sie möchte die ambitionierte Theaterfrau „ein Vereinsleben gestalten, das allen Spaß macht“. Dass die Naturbühne schon für viele ein Sprungbrett für eine professionelle Karriere war, macht sie besonders glücklich.

Veranstaltungen

Ein Sommernachtstraum

Komödie von William Shakespeare inszeniert von Jürgen Lingmann (Romeo & Julia, Robin Hood)

Die kleine Hexe

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