Das Harlekin Theater gab am Freitagabend eine Improvisationsshow im Naturtheater Grötzingen

Bild: Kreuzer, Nürtinger Zeitung
»Egal ob Musical, Oper, Schlagerduett, einen so genannten Arm-Vortrag, die Gefühlsachterbahn oder ein Gebärden-Dolmetscher-Vortrag. Das Harlekin Theater weiß mit seiner Theatersportlichen Impro-Show zu unterhalten. «

AICHTAL. Eines ist sicher, ein Abend mit der Theatersportlichen Impro-Show des Harlekin Theaters aus Tübingen bedeutet alles andere als Langweile. Und wer ein klassisches Theaterstück erwartet, ist hier auch völlig fehl am Platz. Es heißt ja nicht umsonst „Impro-Show“. „Alles, was sie heute Abend sehen, ist garantiert improvisiert“, erzählt Harry Kienzler. Er ist der Spielleiter des Abends und erklärt dem Publikum erst einmal, was es zu tun hat. Das Publikum spielt nämlich eine sehr wichtige Rolle: „Wir spielen heute zu ihren Vorschlägen.“ Im Laufe des Abends fragt Kienzler nach Titeln, Gegenständen oder Spielorten, die dann in den jeweiligen Stücken verbaut werden müssen. „Was wir jedoch nicht mehr bespielen ist das Klo“, meint er mit einem schelmischen Grinsen auf den Lippen, „die Ergebnisse waren nämlich immer sehr bescheiden.“

Umso gelungener sind dafür die Stücke, die die Harlekine am Abend präsentieren. Neben Kienzler gehören Musiker Matthias Weiß und die Schauspieler Mirjam Woggon, Jakob Nacken sowie Bernd Kohlhepp zum Ensemble im Naturtheater. „Traditionell beginnen wir mit einer so genannten fortlaufenden Geschichte mit ‚Buh!‘ vom Publikum“, sagt Kienzler. Woggon, Kohlhepp und Nacken erzählen eine Geschichte mit dem vom Publikum ausgewählten Titel „Das Wunder“. Dabei fängt einer der drei an und sobald Kienzler auf die nächste Person zeigt, muss diese nahtlos weitererzählen. Wenn das nicht funktioniert, darf das Publikum diese Person laut ausbuhen. So geht es, bis nur noch einer der Schauspieler übrig ist – der Gewinner. Doch mit einem hat Kienzler nicht gerechnet: Nacken, Kohlhepp und Woggon sind so gut im Geschichtenerzählen, dass die erste Runde ohne Buhrufe zu Ende geht.

„Dann erhöhen wir den Schwierigkeitsgrad. Ab jetzt darf kein ‚ch‘ mehr verwendet werden“, stellt Kienzler die neue Regel auf. Aber auch hier hofft er vergebens auf das Versagen einer der Schauspieler und erhöht das Level deshalb weiter: „Keine Doppelkonsonanten.“ Also weitererzählen ohne doppeltes ‚N‘, ‚M‘ oder ‚P‘ und schwupps, da ist es auch schon passiert. Mirjam Woggon rutscht das Wort „Sinn“ heraus und kurz nach ihr sagt Bernd Kohlhepp „welches“. Der Sieger ist also Jakob Nacken, der dafür die Geschichte musikalisch zu Ende bringen darf und dem Publikum vom Wunder – um genau zu sein, sogar vom Tomatenwunder – erzählt.

Shakespeare und Brexit – ob das wohl kombinierbar ist?

Als nächstes suchen die Harlekine einen klassischen Dramatiker und bekommen vom Publikum „Shakespeare“ vorgeschlagen. Klassischer geht es ja eigentlich nicht. Fehlt also nur noch ein Titel. „Der Brexit“, ruft jemand in Richtung Bühne. Vergangenheit trifft Gegenwart – es ist ja immerhin alles erlaubt bei der Theatersportlichen Impro-Show. Warum also nicht? Mirjam Woggon schlüpft innerhalb von Sekunden in die Rolle einer Königin, deren verstorbener Ehemann (Jakob Nacken) sie heimsucht und vor dem tückischen Worcester (Bernd Kohlhepp) warnt. Ein kurzes Stück, das trotz Improvisation so dramatisch ist, als stamme es wirklich aus der Feder Shakespeares.

Die Harlekine können auch gruselig. Als es um eine Romandramatisierung geht, schlägt das Publikum unter anderem den Autor Stephen King und den Titel „Das Spiegelei“ vor. Klingt nach einer Herausforderung. Doch für die drei Schauspieler ist es kein Problem: Das Publikum beobachtet Nacken, wie er in einem imaginären Hühnerstall herumtappt und erzählt, er habe ein Haus und komische Hühner geerbt. Da kommt auch schon Woggon um die Ecke und entpuppt sich als eigentliche Erbin des Grundstückes. Im Schlepptau hat sie Kohlhepp, der nun ein Außerirdischer ist und mit nicht-irdischen Geräuschen die Lacher auf sich zieht. „Das hier ist ein geheimes Forschungslabor“, erzählt Woggon in einer Tonlage, die fast an ihrem Verstand zweifeln lassen, „hier werden biologische Kampfhühner gezüchtet.“ Doch sie behält Recht. „Das erklärt, warum ich in unregelmäßigen Abständen ein Rauschen hören kann“, meint Nacken. Das Rauschen (das eigentlich von Flugzeugen stammt, die über das Theater hinwegfliegen) kommt aus den Hühnern – die Zeit ist knapp, das Ende der Welt naht. Doch Woggon hat noch lange nicht aufgegeben. Sie überredet Nacken dazu, ein Spiegelei zu essen. Dieses verwandelt ihn selbst in ein Huhn und er gewinnt die Einsicht, dass es sich überhaupt nicht um Hühner handelt. Doch es ist zu spät, denn menschliche Hühner sind die Leibspeise des Außerirdischen Kohlhepp.

Zurück auf die Erde geht es beim „Zettelspiel“. „Ich habe kleine Zettel mit Schiller-Zitaten vorbereitet, die von den Schauspielern in die Szene eingebaut werden müssen“, erklärt Kienzler und gibt den Countdown zum „Märchen von der Marienkäfer-Königin.“ Ein amüsantes Spiel rund um einen Menschen, einen Maulwurf, den Meister der Unterwelt und die wunderschöne Marienkäfer-Königin entsteht. Untermalt mit Zitaten von Schiller, die einmal perfekt und ein anderes Mal überhaupt nicht in die Szene passen. Aber gerade das macht die Szene sehenswert. Wann sonst hört man einen Maulwurf ausrufen: „Durch diese hohle Gasse muss er kommen!“

Egal ob Musical, Oper, Schlagerduett, einen so genannten Arm-Vortrag, die Gefühlsachterbahn oder ein Gebärden-Dolmetscher-Vortrag. Das Harlekin Theater weiß mit seiner Theatersportlichen Impro-Show zu unterhalten. Und wie sagte einst die Marienkäfer-Königin: „Wenn sie nicht gestorben sind, dann bsst-bssten sie noch heute.“

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